Interview mit Elisabeth und Richard Loewe zu den Anfängen von Deepam

Um mehr über die Hintergründe von Deepam e.V. zu erfahren, haben wir zwei der frühesten Mitglieder
des Vereins – Elisabeth und Richard Loewe – einige Fragen zu den Anfängen des Projekts gestellt.

Wie habt Ihr Vanathayaraj kennengelernt?
1978 wurde „Vana“ über die Verbindung der ökumenischen Gemeinschaft Taizé nach Deutschland zu einem Entwicklungshilfeseminar eingeladen. So entstand der erste Kontakt.

Wie entstand die Projektidee?
Für ihn war diese Thematik sehr wichtig, weil er sich bewußt war, dass er als Heranwachsender in Indien die Chance bekam, die Ausbildung zum Lehrer zu machen.
Solche Möglichkeiten wollte er auch anderen geben, das war schon lange seine Vision.

Für seinen Wunsch, ein Dorfentwicklungsprojekt in Südindien aufzubauen brauchte er noch Unterstützung. Durch diesen Kontakt in Deutschland fanden sich einige Leute, die mit großer Freude und Engagement Teil des Projekts werden wollten und ihm ihre Hilfe zusagten und bis heute eingehalten haben.

Was waren die ersten Schritte vor Ort in Indien?
Um Erfahrungen im Projektmanagement zu sammeln und sich auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten, hat Vana einige Zeit in Südindien bei der britischen Entwicklungshilfeorganisation „Action Aid“ hospitiert. Durch die Vermittlung eines Freundes erwarb Vana ein Stück Land in dem abgelegenen, noch nicht entwickelten Dorf Senthanadu im Bundesstaat Tamil Nadu. Dort wollte er Deepam aufbauen. Im Herbst 1995 konnten wir bei der Einweihung des „Zentrums“ dabei sein.

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Einweihung 1995

Was war dann das erste Angebot des Projekts Deepam?
Schon bevor das erste Haus auf dem Deepam-Gelände gebaut wurde, wurde der erste Schreibmaschinenkurs angeboten. Der fand noch unter freiem Himmel statt. Im Computerzeitalter –also 20 Jahre später- sind natürlich andere Techniken notwendig und dazu braucht es noch Geräte und Fachleute.

Was waren die weiteren Schritte in der Projektarbeit?
Mit dem Bau des ersten Hauses konnten weitere Angebote ermöglicht werden. Zusätzlich zu den Schreibmaschinenkursen gab es Nähkurse für junge Frauen und ein Kindergarten wurde eröffnet. Später kam dann noch eine vierklassige Grundschule dazu.

Gibt es weitere Personen, die Vanathayaraj maßgeblich in seiner Arbeit bei Deepam unterstützen?
Besonders wichtig für Vana ist Rajendran, der im Nachbardorf lebt und eine wichtige Position unter der Dorfbevölkerung einnimmt. Seine Arbeit als Farmer füllte ihn nicht aus und deshalb ist er mit viel Engagement und Rat im Projekt beschäftigt.
Mittlerweile ist das Team natürlich deutlich größer geworden und setzt sich aus vielen tatkräftigen Leuten aus der unmittelbaren Umgebung zusammen.

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Das Team zu Beginn des Projekts, vorne in der Mitte Elisabeth und Richard

Welche Schwierigkeiten traten im Laufe der Projektarbeit auf?
Die größte Hürde war und ist das dortige Kastensystem. Die Diskriminierung der sogenannten Kastenlosen ist alltäglich zu spüren und schwer zu überwinden. So gibt es z.B. zwei Siedlungen außerhalb des Dorfes, in denen die Kastenlosen leben. Erfreulich ist jedoch, dass im Kindergarten und in der Schule von Deepam auch kastenlose Kinder sind und ohne Unterschied mit den anderen spielen und lernen.

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Außerhalb von Senthanadu

Ihr wart ja nun schon sehr oft in Senthanadu – welche Wünsche habt Ihr persönlich für die Zukunft des Projekts?
Am meisten wünschen wir uns, daß die Ausbildung der Gesundheitshelferinnen gut angenommen wird, weil die medizinische Versorgung – besonders auf dem Land – sehr im Argen liegt. Es gibt zwar jährlich auf dem Gelände einen „Health Day“, zu dem Mediziner für Untersuchungen und Beratungen aus einem städtischen Krankenhaus kommen, trotzdem ist in diesem Bereich noch viel zu tun.

Für uns sind die zehnmaligen Besuche in Indien eine große Bereicherung.
Sie halfen, unseren Lebensstil zu verändern und die vielfältige Welt mit ihren Kulturen kennenzulernen. Vor allem natürlich dadurch, die Menschen kennenzulernen und mit ihnen den Alltag zu teilen.

(Alle Bilder von Elisabeth und Richard Loewe.)

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