Sommerbrief 2015

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Warum es DEEPAM wirklich braucht

Im letzten Januar hatte ich die Gelegenheit, unser Deepam-Projekt in Senthanadu zu besuchen. Fast drei Tage war ich dort, von Vanathayaraj in einer vielstündigen Abend-/Nachtfahrt von Bangalore abgeholt. „Ein bisschen am Ende der Welt ist das schon!“, dachte ich, auch wenn ich weiß, dass der überaus größte Teil der nahezu 1,3 Mia. Inder und Inderinnen eben auf dem Lande lebt.

Am Morgen wache ich auf vom Lärmen einer Kinderschar vor meiner Tür: Gleich geht die Schule los – und ich schlafe in einem Klassenzimmer. Draußen ein rechtes „Hallo“: Der fremde, weiße Europäer…

Am Rande, auf ein paar Stufen sitzt ein alter Mann. Er wirkt ein bisschen scheu, vielleicht auch nicht gesund. Ich sehe Vana mit ihm sprechen. Später höre ich: Nicht selten kommen Leute aus dem Dorf, besonders Dalits. Fragen um Rat – oder auch um etwas Geld für Medizin z.B. .

Ich lerne: Unser Projekt ist mehr, als was man nach außen als sogenannten Erfolg vorweisen kann. Vieles geschieht im Kleinen, Unscheinbaren. Vieles auch, allein weil es Deepam als diesem Ort und in diesem Raum mit diesen Menschen gibt. Später am Tag spricht Vana davon, wie es war, als Deepam vor mehr als 20 Jahren in diesem Dorf sich ansiedelte – und dem gegenüber, wie es heute integriert und akzeptiert ist.

Ein anderes Beispiel: Für den letzten Abend vor meiner Abreise hat die Schule zu einer Vorstellung eingeladen. Kaum zu beschreiben, wie die Kinder für ihre Tänze, Lieder, Rezitationen geschmückt und herausgeputzt sind: Dieser Anlass wird von den Eltern offensichtlich ernst genommen! Vor allem aber: Die Plätze reichen nicht! Obwohl unter den Palmen mehrere Reihen Bänke aufgestellt sind, ist es schließlich ein rechtes Gedränge. Am Ende sitzen die Kasten völlig gemischt, viele stehen, und die Dorfjugend muss es sich auf einer Mauer bequem machen.

Und ein drittes Beispiel: Neben der Pflegerinnen-Ausbildung ist für die (jungen) Frauen vor allem der Näh-Kurs gefragt. Mit Stolz zeigen sie mir ihre Musterbücher und auch Kleider, besonders für die Kinder. Daneben aber, ganz offensichtlich, ist dieser Raum fast den ganzen Tag über auch Ort des Austauschs und dient der gegenseitigen Beratung, dem informellen Miteinander für Frauen unter sich. Dies ist eine Art „Selbsthilfe-Gruppe“ in Sachen Familie, Erziehung usw. Wer nur ein wenig um die Situation der Frau in der indischen Kultur weiß, kann dies gar nicht hoch genug schätzen.

Diese Beispiele zeigen in meinen Augen: Unser Projekt ist mehr als die Schule, die Nachhilfe, die Nähkurse, die Ausbildung zur Krankenschwester und vielleicht auch Kurse für Männer, wie wir sie zurzeit diskutieren. Deepam hat seine Wirkung in diesem Dorf, ist eingebettet. Es ist nicht gerade Sozial-Zentrum, aber ein Ort, wo man sich Rat holen oder sich aussprechen und gegenseitig beraten kann. Auf einer tiefen, recht nachhaltigen Ebene findet hier Entwicklung statt. Dieser Erfolg lässt sich nicht in Zahlen messen.

Aber all dies gibt natürlich zu tun:

  • Die Dorfverwaltung fordert schon lange die Installation eines neuen Strom-Anschlusses an die Parzelle. Und den wollen wir dann gleich unterirdisch verlegen.
  • Ebenso muss unser „Wasserturm“ neu erstellt werden, weil er undicht ist. In diesem Zusammenhang ist zu berichten: Deepam wird einerseits mit Trinkwasser des öffentlichen Netzes versorgt, andererseits vom eigenen Brunnen jenseits der Straße. Für das Trinkwasser ist bereits ein Reservoir neben der Küche erstellt. Das bisherige Reservoir (Turm) dient nun zur Bewässerung unseres Schulgarten, ein neues Projekt, das schon kräftig am Entstehen ist: Die Kinder – und hoffentlich über sie auch die Eltern! – sollen an alternative Formen der Bewirtschaftung herangeführt werden. Rajendran, die rechte Hand Vanas und Landwirt aus dem Nachbardorf, wird hier federführend sein.
  • Unsere Näherinnen sind zwar zu scheu, sich zu beklagen. Aber die Lehrerin sagt: Die Maschinen sind nun fast 20 Jahre alt, hier braucht es Ersatz.
  • Im Weiteren wartet immer noch die Angelegenheit der Schul-Toiletten. Viele Kinder haben Angst vor Schlangen beim Gang über die Wiese zum bestehenden Gebäude. Hier muss ein sauberer, breiter Weg angelegt werden. Oder, wie von der Schulaufsicht angeregt, ein Anbau an ein Gebäude in der Nähe.

Liebe Freunde und Freundinnen, Gönner und Gönnerinnen, Sie sehen: Deepam ist lebendig. Und es hat seine Wirkung, ist den großen Einsatz wert. Viel ist geschehen und Manches ist noch in der Planung. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung!

Juni 2015

Hansgeorg vom Berg, Schweiz/Indien

 

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Internet: http://www.deepam.de
Spendenkonto: Volksbank Freiburg, BLZ: 680 900 00, IBAN: DE22680900000016678007
Vereinskonto: Volksbank Freiburg, BLZ: 680 900 00, IBAN: DE97680900000016678015
1. Vorsitzender: Albert Trafelet, Orpundstr. 12, CH – 2555 Brügg
2. Vorsitzende: Marie-Cécile Marchal-Krieg, Tiroler Str. 11, D – 79111 Freiburg
Kassenwart: Prof. Dr. Gerhard Lammel, Rehblöcken 41, D – 22359 Hamburg

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