Weihnachtsbrief 2017

Liebe Freunde und Freundinnen von Deepam, liebe Spender und Spenderinnen,

Sunnita aus Senthanadu ist eine junge Frau von 15 Jahren. Sie hatte Probleme in der Schule und fühlte sich von ihren Eltern unter Druck gesetzt und nicht verstanden. Sie rannte davon und tauchte unter. In ihrer ausweglosen Situation wandte sie sich an Deepam. Vanathayaraj hörte sich ihre Geschichte an und versprach, ihr zu helfen. Er suchte das Gespräch mit den Eltern der jungen Frau und legte ihnen dar, dass ihre Tochter nicht aus purer Lust an Auflehnung so gehandelt hatte, sondern aus innerer Not – ein schwieriges Unterfangen, da die einfache Landbevölkerung kaum über Wissen von psychologischen Vorgängen verfügt. Da Vanathayaraj aber eine Respektsperson im Dorf
ist, ließen sie sich auf seinen Vorschlag ein: Die Tochter besuchte von da an die Nähschule in Deepam und dscn8957blühte dort sichtlich auf. Die Eltern waren froh darüber und das Verhältnis zu ihrer Tochter entspannte sich wieder.
Viele der Nähschülerinnen stammen aus schwierigen Verhältnissen. In Deepam lernen sie nähen – eine nützliche Fertigkeit für den Eigengebrauch oder auch für eine Anstellung in einer Schneiderei. Und in der Nählehrerin finden sie eine einfühlsame
Begleitperson, die sie nicht nur in der Textilverarbeitung unterweist, sondern auch immer wieder Themen diskutiert, die ihren Schülerinnen unter den Nägeln brennt.

Homegardening:
Nebst dem Anbau von Gemüse ist vorgesehen, der lokalen Bevölkerung auf modellhafte Weise zu zeigen, wie sie die Selbstversorgung stärken bzw. ihr Einkommen verbessern
können, nämlich mit der Haltung einer Kuh, bzw. einiger Hühner. Das Landwirtschaftsdepartement von Tamil Nadu bietet dazu Schulungen an. Rajendran, die rechte Hand von Vana, hat diese besucht. Deepam möchte nun in naher Zukunft kostenlose Schulungssequenzen für die Dorfbewohner*innen anbieten und sie anschließend darin unterstützen, an günstige Kredite bei der staatlichen Bank zu
kommen.

Indien war in letzter Zeit öfter in den Schlagzeilen – leider mit besorgniserregenden Meldungen. Unter der hindunationalistischen Regierung von Narendra Moodi bekommen Kräfte Auftrieb, die der Rechtsaußenszene zuzuordnen sind, immer wieder mal in die Kiste von rassistischem Gedankengut greifen und ethnische und religiöse Minderheiten drangsalieren. Alles was in ihren Augen das «wahre Hindutum» befleckt, muss ausgemerzt werden.
Hier zwei Beispiele: Die Idee wird diskutiert, man solle den Taj Mahal niederreißen. Schließlich stamme der nicht aus der Hindu-Hochkultur sondern sei ein Denkmal aus der Herrscherzeit der muslimischen Mogulkaiser. Oder ein Regierungs-Politiker ruft zum Mord an jener Schauspielerin auf, die im eben gedrehten Film Padmavati die Witwe eines Hindu-Königs darstellt. Diese wirft sich nach dem Tod ihres Gatten auf den Scheiterhaufen – träumt aber vorher von einem Flirt mit dem Sultan von Delhi. Der erboste Politiker sieht darin eine Geschichtsfälschung und Beleidigung der historischen Figur Padmavati (die historisch allerdings nicht verbrieft ist…) und will verhindern, dass der Film gezeigt wird.
Was hat dies mit Deepam zu tun? Wie wir im Sommerbrief erwähnt haben, greift dieser hindunationalistische Geist mehr und mehr um sich und Organisationen, die vom Ausland unterstützt werden, geraten vermehrt unter Beobachtung der Regierung. Es wird für sie zusehends schwieriger, Geld aus dem Ausland zu erhalten. Das bedeutet für uns, dass wir verschiedene Wege ausprobieren und nutzen müssen, um unsere Quartalsüberweisung nach Indien zu sichern. Wir sind froh, dass dies klappt, auch wenn es umständlicher ist als früher.
Auch dieses Jahr hat Deepams Nachhilfeunterricht für die Highschool-SchülerInnen regen Zulauf. Die Eltern wissen es zu schätzen, dass dank dieses Stützunterrichts die Chancen auf einen erfolgreichen Highschool-Abschluss massiv steigen. Mittel- und langfristig wäre es natürlich wünschenswert, dass der indische Staat sein völlig verkrustetes Schulsystem, welches im Geist der englischen Kolonialzeit hängen geblieben ist, reformieren würde. Vanathayaraj legt großen Wert dscn9012darauf, dass an der Deepam-Unterstufenschule anschauliche Lehrmethoden zum Zuge kommen, welche auch die Eigenaktivität der Kinder fördern.
Das nebenstehende Bild vermittelt einen Eindruck davon, dass im Mathematikunterricht das Legen von Mengen das Vorstellungsvermögen der Schüler und Schülerinnen unterstützt wird. An der staatlichen Schule hätten solche Aktivitäten keinen Platz.

Ein weiteres Thema, das uns in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen wird, ist die Zukunft von Deepam. Vanathayaraj hat das Pensionsalter erreicht. Die Suche nach einer Nachfolge ist erfolglos geblieben. Deshalb haben wir die Fühler ausgestreckt nach einer Organisation, die im gleichen Sinn und Geist wie Deepam tätig ist und das Projekt in Senthanadu übernehmen und weiterführen möchte. Es wird nun in den kommenden Wochen und Monaten unsere Aufgabe sein, mit möglichen Partner*innen ins Gespräch zu kommen und zu verhandeln. Unser Ziel ist: Deepam Senthanadu soll der Bevölkerung erhalten bleiben!
Liebe Spender und Spenderinnen, Sie sehen: Deepam entwickelt sich stetig weiter und ist für die Bevölkerung von Senthanadu ein Ausgangspunkt von positiven Entwicklungen. Wir hoffen, dass dies noch lange so bleibt und wir danken Ihnen von Herzen für Ihre Unterstützung!
Nun wünschen wir Ihnen von Herzen lichtvolle Festtage und alles Gute zum Neuen Jahr.

Albert Trafelet
Vorsitzender Deepam e.V.
_________________________________________________________________________
Homepage: http://www.deepam.de
Blog: http://www.deepamev.wordpress.com
Spendenkonto: Volksbank Freiburg, BLZ: 680 900 00, IBAN: DE22680900000016678007
Vereinskonto: Volksbank Freiburg, BLZ: 680 900 00, IBAN: DE97680900000016678015
Vorsitzender: Albert Trafelet, Orpundstr. 12, CH – 2555 Brügg
2. Vorsitzende: Kathrin Lammel, Adam-Stegerwald-Str. 1, D – 28329 Bremen
Kassenwart: Prof. Dr. Gerhard Lammel, Mathildenstraße 8, D – 55116 Mainz

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